Wer denkt schon an Stickstoff, wenn er oder sie ein Butterbrot isst? Dabei läge der Gedanke nahe, denn erst mit der industriellen Stickstoff-Herstellung mit dem sogenannten Haber-Bosch-Verfahren steht der Dünger in großen Mengen außerhalb der Bodenkreisläufe zur Verfügung. Weil das Verfahren energieintensiv ist, ist die künstliche Stickstoffherstellung nur in der Industriegesellschaft denkbar und einer der wichtigsten Gründe, warum die Zahl der Menschen auf der Erde in den letzten Jahrzehnten so schnell gewachsen ist: Ohne den vielen Dünger hätten so viele Menschen voraussichtlich schlicht nicht ernährt werden können. Das Buch „N- Stickstoff – ein Element schreibt Weltgeschichte“ ist Band 9 der Reihe Stoffgeschichten des Oekom-Verlags in Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg. Es macht wie schon die Vorläuferbände klar, wie eng menschliches Handeln und Stoffkreisläufe mittlerweile verknüpft sind. Es beleuchtet die Geschichte des Stickstoff von den ersten Erkenntnissen über seine Rolle als Pflanzennährstoff über die die ersten Methoden zur „Stickstoffernte“ bis hin zur industriellen Stickstofferzeugung. Inzwischen wird mit industriellen Verfahren so viel Stickstoff aus der Atmosphäre geholt wie alle Bakterien weltweit binden. Die Folgen sind Überdüngung, Nitratverseuchung des Trinkwassers, Umkippen von Seen und Meeren. Alternativen? Gibt es derzeit wohl nicht, jedenfalls habe ich in dem Buch keine finden können. Die Sprache der verschiedenen Beiträge, die jeweils von hochrangigen Experten stammen, ist teils sehr anschaulich, teils eher für Chemiker geeignet. Wer etwas Geduld mit den wissenschaftlicheren Passagen hat, wird hier viel darüber erfahren, warum und wie Stickstoff und seine Nutzung den Planeten beeinflussen. Erfreulich ist die hochwertige, gebundene Aufmachung mit zahlreichen, auch farbigen Abbildungen. Wer gerne experimentiert, findet im hinteren Teil einige einfach durchführbare Versuche, mit der sich etwas über Stickstoff, seine Verbreitung und seine Rolle herausfinden lässt.

Bibliographie: Gerhard Ertl, Jens Soentgen (Hrsg.) : N Stickstoff –ein Element schreibt Weltgeschichte. Oekom-Verlag, München, 2015. 261 Seiten, gebunden, zahlreiche farbige und s/w-Abbildungen, ausführliches Autorenverzeichnis. 24,95 Euro, ISBN 978-3-86581-736-5

3 thoughts on “Eine kurze Geschichte des Stickstoffs

  1. Das Ackerland würde schon reichen – mit Mineraldüngung. Das Problem ist die Wasser-Versorung. In manchen Regionen regnet es zu wenig, weniger als vor vielen Jahren. Die Bewässerung ist nur begrenzt möglich. Dabei werden Wasservorräte angezapft, die aus früheren Zeiten stammen. Der Grundwasser-Spiegel sinkt.

    Es werden zunehmend Kulturen angepflanzt, die dem Export dienen. Diese Flächen fallen für die Lebensmittel-Produktion aus (Ölpalmen, Soja, Gummibäume,…).

    Der Regen fällt zu ungleichmäßig, lange Dürrezeiten wechseln mit Starkregen, welcher den Kulturboden (den fruchtbaren Anteil) wegschwemmt und in das Meer spült.

  2. Und wie kriegen wir die Menschheit bei abnehmenden Ackerlandvorräten ein Drittel kleiner? Ich bin ja nicht gegen Biolandwirtschaft, im Gegenteil. Allerdings dürfte der mehr oder weniger vollständige Verzicht auf Mineraldünger eine echte Herausforderung für das Welternährungssystem darstellen.

  3. Es ist unbestritten, dass die synthetischen Stickstoffdünger wesentlich zum Bevölkerungswachstum beigetragen haben. Ansonsten könnte man die 7 Milliarden Menschen nicht ernähren.

    Die bilogische Landwirtschaft kommt ohne diese Dünger aus, wobei die Erträge etwa 1/3 niedriger sind als bei konventioneller Landwirtschaft.

    Es stellt sich die Frage, wie der Kleingartenbesitzer damit umgehen soll. Hier gibt es viele Bio-Fans, allerdings wird auch organisch oft überdüngt – das ist Stallmist (Rinderdung), Kompost, Gründüngung. Die Auswirkung dieser Überdüngung ist oft dramatisch – Fäulnis und andere Probleme.

    Man kann die Zusammenhänge nicht mit wenigen Sätzen beschreiben. Dazu müsste man einen langen Aufsatz oder ein Buch schreiben 😉

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